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Veranstaltung: 19 h Philo Café Lit. Haus HH Erwin Seitz, Verfeinerung der D
Veranstaltungsort: Literaturhaus
Adresse: Schwanenwiek
Datum: 21.03.2012
Angehängte Dateien:
seitz pdf.pdf

Thema: Die Verfeinerung der Deutschen

Gast: Erwin Seitz

Reinhard Kahl moderiert

 Dass Entscheidende ist, dass ich ein Gastwirtsohn bin, dass man nie in einem kleinen, privaten Haushalt aufgewachsen ist, sondern immer inmitten der Leute.

 Erwin Seitz ist gelernter Metzger und Koch, er studierte Germanistik, Kunstgeschichte und Philosophie und hat nun 800 Seiten über die Verfeinerung der Deutschen geschrieben (Insel). Selten verkörperte und beglaubigte ein Autor so sehr seine These.

 Es geht es ums Essen, Kochen und Genießen. Seine Spurensuche führ zunächst ins Mittelalter und in die Renaissance,  also in Zeiten, da die Ausdifferenzierung des Genusses und der Lebensformen zumindest für Menschen, die nicht im Schatten standen, zu höchster Verfeinerung kam. Man erfährt aber auch von den Askese-Predigten eines Martin Luther und davon, wie seine Frau den zunächst widerwilligen Reformer mit der Raffinesse ihrer Küche verführte. Aber von dieser Gegenreform wurde wenig überliefert. Wirksamer wurden preußische Tugenden. Friedrich Wilhelm der Erste hielt solche Dinge für Larifari, das nur viel Geld kostete und die vermeintlich notwendige Aufrüstung der Armee behinderte. Er hielt sich an das uralte Rezept: Schraube das kulturelle Niveau auf allen Gebieten herunter, dämme die sinnliche Lebendigkeit der Menschen so weit wie möglich ein, drille die Leute, mache sie gleichförmig, dann kannst Du sie beherrschen.

 Man sollte sich wieder an Horaz erinnern. „Sapere aude!“, das später zum Aufklärungsruf wurde, Wage es, vernünftig zu sein oder bei Kant, Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen, hieß bei dem römischen Dichter ursprünglich Wage es zu schmecken. Sapere hieß erst im übertragenen Sinn Weisheit erlangen. Es geht also darum auf den Geschmack der Welt zu kommen. Das beginnt mit den Sinnen und am eigenen Leibe.

Seitz Spurensuche führt in die vielfältigen deutschen Regionen und bis zur Gegenwart. Gute Küche war regional. Wenn wir nun im Zeitalter der Glokalisierung  (Ulrich Beck) vielleicht eine Lokalisierung mit einem Globalisierungs-G vor uns haben, dann kommt Seitzens Erinnerung an die Verfeinerungen des guten Lebens gerade wie gerufen.


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