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Veranstaltung: 19 h Philo Café Lit. Haus HH Manfred Geier
Veranstaltungsort: Literaturhaus
Adresse: Schwanenwiek
Hamburg
Datum: 16.02.2012


philosophisches café: manfred geier
Thema: Selbstdenken – das Projekt der Aufklärung
Gast: Manfred Geier, Reinhard Kahl moderiert

„Selbst denken, selbst forschen, auf seinen eigenen Füßen stehen und seinen eigenen Weg gehen!” Manfred Geier

„Selbstdenken heißt den obersten Probierstein der Wahrheit in sich selbst suchen; und die Maxime, jederzeit selbst zu denken, ist die Aufklärung.” Immanuel Kant

Das große europäische Projekt heißt Aufklärung. Oder Enlightenment. Noch klarer ist Selbstdenken. Das ist zwar fast eine Tautologie, denn man kann nur selbst denken, und dennoch ist dieser Anspruch alles andere als selbstverständlich. Vor mehr als 300 Jahren war es ein Skandal, als sich John Locke von der Vorstellung befreite, dass wir bereits mit angeborenen Ideen zur Welt kämen, denen wir bloß zu folgen hätten. Für ihn gab es die sinnlichen Eindrücke und die innere Selbstwahrnehmung. Daraus bauen wir unsere Welt. Kant wollte nur denjenigen Menschen für einen „Kopf” halten, der selbst denkt. Die hingegen, die von fremder Hand geführt werden, nannte er „Pinsel”.

Der philosophische Schriftsteller Manfred Geier hat in seinem neuen Buch „Aufklärung – Das europäische Projekt” (Rowohlt) in sieben Geschichten den vielstimmigen Prozess der Aufklärung nachgezeichnet. Da ist zum Beispiel der vierzehnjährige Moses Mendelssohn. Er reist lernbegierig seinem Rabbi von Dessau nach Berlin nach, weil der ihn auf die Spur des Frühaufklärers Moses Ben Maimon aus dem Cordoba des 12. Jahrhunderts gebracht hatte. Der geniale Autodidakt und frühe Dissident Mendelssohn lebt zunächst illegal in Berlin, wo er ebenso die Erkenntnis wie die Geselligkeit sucht. „Wähle, empfinde, überdenke und genieße!” wird seine Maxime. Oder Wilhelm von Humboldt, der nie eine Schule besucht hatte und dennoch – oder gerade deswegen – ein Bildungssystem erfand, das noch auf seine Verwirklichung wartet. Am Anfang der Aufklärung und der Bildung steht eine Paradoxie. Die Freiheit, die erst das Ziel ist, muss bereits beansprucht werden, „denn durch nichts wird diese Reife zur Freiheit in gleichem Grade befördert, als durch Freiheit selbst” (Humboldt).

literaturhaus, donnerstag, 16. februar, 19.00 uhr, euro 8,-/6,-/4,-


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