Wurzeln und Flügel
Eine Renaissance der
Bildung?
Vortag – Film – Diskussion
mit Reinhard Kahl
Der Renaissancemensch Francoise Rabelais, er war
Schriftsteller, Arzt und Priester, sagte: „Kinder sind keine Fässer, die
gefüllt, sondern Flammen, die entzündet werden wollen.“ Es ist interessant,
dass bereits in der Antike von Heraklit und Herodot ähnliche Formulierungen
überliefert sind. Ist der Satz vielleicht eine Maxime in Renaissancezeiten, in
denen die Möglichkeiten von Menschen entdeckt werden und in denen es möglich
wird auf Abrichtung und Dressur, auf Beschämung und Anpassungszwang zu
verzichten? Was in der Antike nur ein Privileg ganz weniger war und auch in der
Renaissance ein Projekt blieb, hätte das heute nicht Chancen?
Und sollte die Globalisierung nicht auf eine Glokalisierung hinaus laufen? Also auf
eine Lokalisierung mit einem großen Globalisierungs-G davor? Was hieße das für
die Bildung? Menschen, die etwas wagen und etwas wollen brauchen Zugehörigkeit,
ja Heimat. Denn etwas zu wagen heißt doch auch sich zu wagen. Wer in
Unsicherheit geht, braucht Sicherheit.
So neu ist das nicht. Goethe importierte die persische
Weisheit, das Kinder Wurzeln und Flügel brauchen. Beides!
Wie Bildungseinrichtungen als Treibhäuer der Zukunft Sicherheit geben und damit Mut zum Eigensinn
machen, wäre eine Perspektive von
Bildung, die vorgetragen und diskutiert werden soll.