Der Raum ist der Dritte
Pädagoge
Ideen zu Raum und Zeit gelungener
Schulen
Reinhard Kahl
Vortrag – Film – Diskussion
Kaum
ein Satz spricht die Veränderung des pädagogische Denkens und Empfindens so
klar aus wie dieser: „Der Raum ist der Dritte Pädagoge“. Lange wurde der Raum als
leerer Container angesehen. Kinder und Jugendliche wurden wie Fässer gefüllt.
Lernen galt in erster Linie als die passive Seite von Belehrung und weniger als
eine Aktivität der Lernenden.
Auch
die Zeit wurde in lauter gleichförmige Parzellen zerteilt - zum Beispiel per
Stundenplan. Sie wurde verräumlicht. Der Sinn für die unterschiedlichen Eigenzeiten
und Rhythmen von Individuen, zumal für die von Lernenden, war noch schwach.
Ist
es ein Zufall, dass ein Kindergartenpädagoge in Lernlandschaften den Dritten
Pädagogen entdeckte - nach den anderen Kindern als den ersten und den Erwachsenen als den zweiten Pädagogen? Loris Malaguzzi, Begründer der
„Reggio-Pädagogik“ in Norditalien, begann den Raum so zu gestalten, dass sich
Kinder darin bewegen können, dass sie Dinge entdecken und erforschen, dass sie selbständig
und zusammen lernen. Denn „Kinder sind keine Fässer, die gefüllt, sondern
Flammen, die entzündet werden wollen.“ Das schrieb bereits vor 500 Jahren Francoise
Rabelais, Dichter, Arzt und Priester.
Reinhard
Kahl zeigt in seinen Filmen, die er in Ausschnitten mit seinem Vortrag
kombiniert, dass der gestaltete Raum und die rhythmisierte Zeit dem Lernen viel
angemessener sind als der Gleichschritt in anregungslosen Räumen. Auch die Erträge
werden dann größer.
Für
Albert Einstein war dieser Unterschied das A und O: Vor der
Relativitätstheorie, schrieb er, habe man geglaubt, wenn alle Dinge aus der
Welt verschwinden, blieben immer noch Raum und Zeit. Nach der
Relativitätstheorie hingegen sei klar, dass mit den Dingen auch der Raum und die
Zeit verschwinden. Raum und Zeit sind eben keine Behälter. Sie sind Verhältnisse.
Das gilt vor allem zwischen Menschen und Dingen und noch mehr für die Beziehungen
zwischen den Menschen. Wenn Raum und Zeit nicht mehr gleichförmig sind, dann kann
darin jeder so einzig wie eine Primzahl werden. Wir bilden uns, wenn wir Raum
und Zeit gestalten.