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Veranstaltung: Philo Cafe: Das geraubte Gedächtnis - Manfred Osten
Veranstaltungsort: Literaturhaus Hamburg
Adresse:
Veranstaltungslink: http://www.literaturhaus-hamburg.de/start2.html
Datum: 14.12.2004
Thema: Das geraubte Gedächtnis – wird die Erinnerungskultur zerstört?
Gast: Manfred Osten, Reinhard Kahl moderiert

Gespeichert heißt Vergessen. Harald Weinrich
Gegenwart, die einzige Göttin, die ich anbete. Johann Wolfgang von Goethe

Das kulturelle Gedächtnis ist im Umbau, nicht nur dessen Inhalte, sondern die Speicher selbst. Sie werden digitalisiert. Triumph der Hardware, während die Menschen kollektivem Alzheimer verfallen? Anders gefragt, wo ist der Ort des kulturellen Gedächtnisses? Wer sind die Archivare? Und wie bestimmen dessen Betriebssysteme mit der Art des Erinnerns den Horizont unserer Möglichkeiten? Manfred Osten ist überwiegend skeptisch, wenn auch, wie sich an diesem Abend wieder zeigen wird, nicht schlecht gelaunt. Inspiriert von Goethe sieht er ein unheilvolles Kartell aus Vergessen, Beschleunigung und Perfektion am Werk. Hingegen sind für ihn Gedächtnis, Langsamkeit und Fehlerfreundlichkeit die Paten gelungener Kultur, er nennt sie auch Bildung: “Bildung ist Teilhabe am Gedächtnis der Menschheit” schreibt er in seinem neuen Buch “Das geraubte Gedächtnis”. Er fragt, was passiert, wenn wir unser Gedächtnis an digitale Systeme delegieren. Sind die digitalen Grenzenlos-Speicher in der Lage, Traditionen des Gelungenen zu begründen? Ist das Grenzenlose nicht ein Synonym für das Formlose? Was wäre der Unterschied zwischen dem Gelungenen und dem Erfolgreichen, das sich auf dem Markt durchgesetzt hat? Wie immer ist Ostens Arbeit eine hinreißende Vergegenwärtigung seines Meisters Goethe, dessen Werk er als Vorahnung mancher Sackgasse der Hypermoderne interpretiert. Vor diesem Buch schrieb Osten den Essay, “Alles veloziferisch”. Mit Goethes Kritik an der Beschleunigung zeigte er, um wie viel produktiver die Langsamkeit ist. Derzeit bereitet er eine “Kunst, Fehler zu machen” vor. Manfred Osten war Generalsekretär der Alexander von Humboldt-Stiftung. Der Kenner Japans, wo er im Auswärtigen Dienst war, ist ebenso in der Philosophie wie in der Musik und in der Literatur zu Hause. Und er kann so viel Goethe auswendig, wie wohl kaum ein zweiter.

literaturhaus, dienstag, 14. dezember, 19.00 uhr, euro 6,50 / 4,- / 3,-


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