Philosophisches Café 8. Juli 2010
Thema: Glück ist anders
Gast: Michael Hampe
Reinhard Kahl moderiert
Antworten darauf was Glück ist, fallen gewöhnlich so aus, dass der Fragende sein Leben erst recht als misslungen ansehen muss. Der Philosoph Michael Hampe versucht dieser Falle von Idealisierung und Perfektion zu entkommen. Er antwortet in seinem Buch „Das vollkommene Leben“ mit „Vier Meditationen über das Glück“. In dieser Vielstimmigkeit gibt es nicht die eine richtige und vermeintlich eindeutige Antwort. Philosophie wird polyphon. Die Frage nach dem Glück verwandelt sich in die nach dem Gelingen und die Antworten bestehen dann im Erzählen von Geschichten – auch von Ideen- und Gedankengeschichten. „Die Anerkennung von Differenzen ist die Grundvoraussetzung des Glücks und die Unfähigkeit Differenzen zu akzeptieren, ist der erste Schritt ins Unglück.“
Verschiedenheit hört auf ein Nachteil, weil Abweichung vom Ideal zu sein. Der Vorteil verschieden zu sein, wird zur logischenVoraussetzung das eigene Leben auch auf seine eigene Weise zu führen. „Ein glückliches Leben zu führen, setzt voraus, dass wir Sinnzusammenhänge herstellen und dass auf diese Weise all die Einzelerlebnisse in einem größeren Zusammenhang eine Bedeutung bekommen.
Michael Hampe lehrt Philosophie in Zürich. Er sagt: „Ich will die Welt nicht von einem Standpunkt wahrnehmen, sondern in ihr vorkommen.“ Hampe misst die Welt nicht mehr am Ideal eines perfekten Orchesters, in dem Musiker die Partituren des Komponisten auf Geheiß des Dirigenten möglichst exakt ausführen. Er sieht sie eher als eine improvisierende Jazzband. Musiker hören aufeinander und antworten. Jeder auf einem anderen Instrument. Jeder auf seine Weise. Mit dem Abschied von den Vorschriften nähert sich Philosophie der Literatur. Auch die überkommene Herrschaft der Theorie über die Praxis bröckelt. Praxis ist nicht mehr niedrig. Sie wird nicht mehr von der über ihr stehenden Theorie zum Mittel gemacht. Praxis gewinnt an Würde. Und an Intelligenz. Philosoph wäre dann ein Gespräch über die Praxis, manchmal auch ihr Selbstgespräch.
„Die Lösung des Problems des Glücks merkt man am Verschwinden des Problems.