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Veranstaltung: Philo Café / Claus Offe, Amerika
Veranstaltungsort: Literaturhaus Hamburg
Adresse:
Datum: 30.11.2004

Das Philosophische Café / 30. 11. 2004  19´00
Thema: 

Amerika, Amerika

Blicke über den Teich und zurück

Gast: Claus Offe

Reinhard Kahl moderiert

 

Im „neuen“ Krieg, bei dem der Staat einem Netzwerk nicht-staatlicher Akteure gegenüber steht, geht es um einen buchstäblich ewigen Krieg, weil er mit militärischen Mitteln ersichtlich nicht mehr zu gewinnen ist.    Claus Offe

 

Wenn Peter über Paul spricht, erzählt er manchmal mehr über Peter als über Paul. Wenn Europäer über Amerika sprechen, entstehen unwillkürlich Selbstbeschreibungen. Claus Offe ist in seinen Adorno-Vorlesungen dem Blick großer europäischer Intellektueller auf die Vereinigten Staaten nachgegangen. Er hat die Amerikastudien von Alexis de Tocqueville, Max Weber und Theodor W. Adorno analysiert. In seiner aufschlussreiche Untersuchung berichtet er von Anregungen und Abwehr, von Erkenntnissen und Projektion sowie von Hoffnungen und Abscheu der alten gegenüber der neuen Welt. So sieht Tocquville im Mangel an „Wurzeln“ einen Grund für die amerikanische Gesellschaft „hundertmal glücklicher zu sein, als unsere.“ Dieser Mangel wird von anderen als Oberflächlichkeit beklagt.

 

Nach der Beobachtung der Abweichungen zwischen Europa und den Vereinigten Staaten, kommt ein zweiter Blick auf die gemeinsame Hauptachse der Entwicklung. Christentum, Begeisterung für Technik, Fixierung auf wirtschaftliche Prosperität. Ein dritter Blick zeigt schließlich ein globales Amerika: Amerikanische Realitäten sind zu einem Teil unserer Realität vor Ort geworden. Aber neben dem ubiquitären gibt es das einzige Amerika. Seine Souveränität beansprucht es nicht neben anderen Staaten, sondern über sie. Die Identität dieses einzigen, sich für auserwählt haltenden Amerika steht und fällt allerdings mit Bösen außerhalb seiner Grenzen. Es muss bekämpft, ja vernichtet werden. Mit dem absoluten Bösen kann nicht wie mit einem traditionellen Kriegsfeind Frieden geschlossen werden. Dieses Böse wächst immer nach. Sein Wachstum wird womöglich von nichts mehr gefördert, als von den Versuchen es endgültig zu vernichten.  

 

Claus Offe lehrt an der Humboldt Universität Soziologie. Die Adorno-Vorlesungen sind unter dem Titel „Selbstbetrachtungen aus der Ferne“ in diesem Jahr im Suhrkamp Verlag erschienen.

 

      


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