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Veranstaltung: ÜBERGÄNGE mit Manfred Spitzer, Hirnforscher
Veranstaltungsort: Landesinstitut f. Lehrerbildun
Adresse: Felix Dahn Str. 3
Hamburg
Datum: 25.02.2004

Manfred Spitzer, Hirnforscher Uni Ulm

LERNEN – LEHREN - KOOPERATION

Freiburger Hirnforscher haben die Erregung in den Köpfen von Schülern gemessen. Vormittags im Unterricht kamen sie auf die niedrigsten Werte. Was ist da nur in den grauen Zellen los? Dabei ist eine Botschaft der neurobiologischen Lernforschung völlig unbestritten:

Das Gehirn kann nicht Nichtlernen. 

 

Wehren sich womöglich die Schülerhirne gegen eine Kultur, die Lernen häufig noch wie die Verabreichung bitterer Medizin inszeniert? Woher kommt die Ansicht, Lust und Leistung verhielten sich zueinander wie Feuer und Wasser? Der Hirnforscher behauptet das Gegenteil.

„Lernen ist eine legale und von allen Nebenfolgen freie Droge“.

Viele Studien beweisen ihm, dass es opiumähnliche Stoffe erzeugt. „Und das macht  Spaß,“ heißt die frohe Botschaft des Direktors der Psychiatrischen Universitätsklinik in Ulm. „Wenn es Spaß macht,“ fährt er fort, „können wir besser denken, und wenn wir besser denken, bleiben die Sachen besser hängen und das wollen wir ja beim Lernen.“

 

Wenn sich das Lernorgan allerdings zu lernen weigert, dann kann etwas nicht stimmen.

„Jedes Gehirn ist nichts anderes als das Protokoll seiner Benutzung.“

Es will aktiv sein. Es verlangt nach Beispielen. Dann macht es sich sogar seine Regeln selbst. Könnte es sein, dass es zuweilen unterfordert ist, obwohl – oder weil - ihm zu viel aufgetischt wird? Woran liegt es,

wenn Jugendliche Symptome von geistiger Bulimie aufweisen? 

Fragen über Fragen.

 

Studien von Manfred Spitzer geben Hinweise. Entscheidend ist die Atmosphäre, in der gelernt wird. Seine Untersuchungen zeigen, was passiert, wenn Angst herrscht. Normalerweise laufen neue Informationen durch den Hippocampus in den Kortex. Unter Angst und Stress werden sie von einer anderen Hirnregion, dem Mandelkern verarbeitet. Dieser Weg sei dafür gut , „dass wir angst- und furchtbesetzte Assoziationen von dort ganz schnell heraus holen können, um unseren Körper auf Flucht oder Kampf vorzubereiten.“ Es ist als würden den Eindrücken und Informationen, die unter Angst, Misstrauen und Stress aufgenommen werden, negative Vorzeichen eingebrannt. Das so gelernte Wissen wird eher zu harten Waffen geschmiedet und nicht so geschmeidig gehalten, dass es weiter verknüpft werden kann. Man bekommt es in den falschen Hals. Spitzer kann zeigen,

„wenn Angst aktiviert wird, kann man nicht mehr kreativ sein.“

Mit Angst kann man zwar ganz schnell lernen. Niemand legt seine Hand ein zweites Mal auf die heiße Herdplatte. „Aber mit Strafen, Wehtun und Schmerzen lernt man nur, was man nicht tun soll, und nicht wo es lang geht.“

 

Schon gar nicht werden so Selbstregulierung und  Kooperation gelernt. Aber  wer darin nicht geübt ist, wird eine unbekannte Zukunft fürchten und sie nicht gestalten wollen. In der Kooperation sieht Spitzer eine tief ins Gehirn eingeschriebene Lektion der Evolution. „Man soll nicht glauben, dass es in der Natur des Menschen liegt, dass wir alle gegen alle immer nur mit Ellenbogen kämpfen. Das stimmt einfach nicht. Die Neurobiologie hat gezeigt, wenn Menschen sich kooperativ verhalten, dann springt unser Belohnungssystem an.

Unser Gehirn belohnt uns, wenn wir kooperativ sind.

Wir kooperieren gerne. Die Bedingungen in der Schule sollten so sein, dass es die Kinder auch tun.“ 

 

Neben der Atmosphäre in den Schulen, sowie den Beispielen und Erlebnissen, mit denen Gelegenheiten zum Lernen geschaffen werden, kommt es nach Spitzers Erkenntnissen entscheidend auf die Lehrer an. Hier stehen seine Studien noch in den Anfängen. Seine Hypothese stützt er auf gesichertes Wissen aus der Psychotherapieforschung. Deren Ergebnis laute: „Egal was Therapeut und Patient miteinander anstellen, ob in einer Psychoanalyse, mit der Verhaltenstherapie oder per Handauflegen, die Therapie ist erfolgreich,

wenn sich beide wertschätzen.

Für die Schule gelte diese Regel erst recht. 

 

Manfred Spitzer ist Direktor der psychiatrischen Universitätsklinik Ulm und Autor von populären Büchern übers Lernen und die Hirnforschung. Er ist in Medizin und Philosophie promoviert und hat ein Psychologiestudium abgeschlossen. Zweimal war er Gastprofessor in  Harvard.

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