22. 9. Literaturhaus / Philo Café
Das Ende der Welt - wie wir sie kannten
Claus Leggewie und Harald Welzer
Moderation: Reinhard Kahl
„Es hat sich herumgesprochen: Mit den Ökonomien, Vorstellungen undLebensstilen des 20. Jahrhunderts wird keine Zukunftsfähigkeit mehr erreicht,staatliche Regulierung, Marktanreize und alternative Technologien allein rettendas Klima nicht.“ Leggewie/Welzer
Den meisten Menschen geht langsam unterdie Haut, was für viele bisher nur eine Meinung war, oder ein Wissen, an das sienicht wirklich glaubten: Die Erde erträgt unsere Lebens- und Wirtschaftsweisenicht. Vielleicht ist die Frist, dass alles so weiter gehen kann, kürzer alswir insgeheim hofften. Aber Appelle und Bußpredigten ändern wenig. Am Endefördern sie den Fatalismus: Nach uns die Mutation. Auch die Gründung einerPartei kann durchaus helfen Verantwortung aus dem eigenen Leben weg zudelegieren. Der Politikwissenschaftler Claus Leggewie und derKulturwissenschaftler Harald Welzer setzen dagegen: „Das Projekt einer neuen Gesellschaft – undnichts weniger ist die low carbon economy – ist ein kulturelles.“ Kultur ist dannwieder das Wort für die Art zu leben und für die tiefen, gelebten Überzeugen: „Erst wenn sichdie Bürger als aktive Gestalter ihresGemeinwesens verstehen, ändern sich Lebensstile und entwickeln sichHandlungsoptionen.“
In ihrem neuen Buch „ Das Ende der Welt - wie wir sie kannten“,lassen sie den Pessimismus hinter sich, wenn sie entdecken, wie sich „weltweitstrategische Milieus und Netzwerke formieren, dielängst eine kritische Masse bilden.“ Alle Politik sei lokal, heißtdas neue Motto, das auch eines der allerältesten ist. „Jede gute Tat fürs Klima ist erst einmalprovinziell, aber die lokalen Agenden können sich – genau wie das Weltklima –kosmopolitisch in alle Richtungen verzweigen. Mit mehr Selbstbewusstsein undKampagnenfantasie werden sie zu Rollenmodellen und können zum Beispielbestimmen, welche Güter und Dienstleistungen heute cool und morgen Mainstreamsind.“
Claus Leggewie ist Direktor desKulturwissenschaftlichen Instituts in Essen. Harald Welzer leitet dort das Center for Interdisciplinary Memory Research. Ihr Buch erscheint imSeptember im S. FischerVerlag.
„In der Kombination vieler guter Einzelbeispiele guten Lebensweicht das lähmende Gefühl, das Klimaproblem sei zu komplex und allein könneman ohnehin nichts ausrichten. So können sich die alltäglichen Kompetenzenweltbürgerlichen Handelns neu bilden und die politischen Leidenschaftenentzünden, die im blinden Vertrauen auf Marktanpassung undStaatsbeglückung in Vergessenheit geraten sind“.