Di 26. Februar 2008 | Gespräch
Hamburger Bildungsdiskurs: Vorbild USA?
Wenn Politiker davon reden, in Deutschland Elite-Universitäten von internationalem Renommee einzurichten, dann haben sie vor allem die berühmten angloamerikanischen Eliteschmieden im Blick. Harvard, Yale oder Oxford sollen den reformbedürftigen deutschen Hochschulen als Vorbild dienen. Und in der Tat ziehen die Unis mit den klangvollen Namen die besten Studierenden aus aller Welt magnetisch an. Unter den Postgraduierten kommen in Amerika bereits mehr als die Hälfte aus dem Ausland.Auch jeder siebte deutsche Nachwuchswissenschaftler geht nach der Promotion zumindest vorübergehend in die USA.
Wer an solchen Hochschulen studiert und forscht, genießt hervorragende Bedingungen. Doch das System hat auch seinen Preis. Mehrere zehntausend Dollar kostet das Studium an den Top-Universitäten. Nur herausragende Studierende können auf ein Stipendium hoffen. Eine Hochschule wie Harvard verfügte 2004 über ein Budget von 2,6 Milliarden Dollar. Eine deutsche Spitzenuniversität wie die LMU München muss mit rund einer Milliarde Euro mehr als doppelt so viele Studenten versorgen.
Alles eine Frage des Geldes? Nein, meint Ute Frevert, die selbst einige Jahre an der Yale-Universität gelehrt hat und seit Anfang des Jahres 2008 einen der Direktoren-Posten am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung in Berlin bekleidet. Tatsächlich können wir eine Menge von den amerikanischen Hochschulen lernen. Andererseits, auch daraus macht sie keinen Hehl, sollte das Ziel nicht eine bloße Kopie des amerikanischen Hochschulsystems sein. Es gibt gute Gründe für die Universitäten in Deutschland und Europa, sich vor allen Dingen auf die eigenen Traditionen zu besinnen.
Das Gespräch moderiert Reinhard Kahl.
19.00 Uhr