Das Philosophische Café 17. 1. 2008 19´00
Thema:
Neugier, Eigenzeit und Lernen
Gast: Helga Nowotny
Reinhard Kahl moderiert
„Alle arbeiten sie für die Zukunft, dieser opfern sie ihr Daseyn und die Zukunft macht bankrott.“ Arthur Schopenhauer
„Ich habe keine besondere Begabung, sondern bin nur leidenschaftlich neugierig.“ Albert Einstein
„Die Knappheit der Zeit wurde zu einem zentralen Wert der Industriegesellschaften“, schreibt Helga Nowotny in ihrem Buch „Eigenzeit“. Das eigene Leben wurde auf die Zukunft vertagt und ging dabei häufig verloren. „Schneller laufen müssen, um auf ein und derselben Stelle zu treten“, schien für viele der Imperativ ihres Lebens.
Welche andere Grammatik der Zeit könnte darauf im Ausgang der klassischen Industriegesellschaften folgen? Unterschiedlich gestaltete „Eigenzeiten“ von Individuen? Reiche Gegenwart?
Die Aufmerksamkeit der Gesellschaft fixiert sich allerdings weiterhin auf die Zukunft, wenn auch anders als bisher. Damit befasst sich Helga Nowotny in ihrem Buch „Unersättliche Neugier – Innovation in einer fragilen Zukunft“ (Kulturverlag Kadmos). Die Wissenschaftsforscherin ist nach Stationen an der Columbia University und an der ETH Zürich nach ihrer Emeritierung heute Vizepräsidentin des European Research Council (EU) in Wien.
Neugier nennt sie eine Leidenschaft. „Sie ist amoralisch und folgt ihren eigenen Gesetzen.“ Welche Atmosphäre, welche Umgebung, im Wortsinne welche Gesellschaft brauchen der Forschergeist von Wissenschaftlern, das Lerngenie der Kinder und ein Alltag, der bei den meisten mehr und mehr auf neu erworbenem Wissen und selbst zu findenden Problemlösungen beruht? Welche Chancen entstehen, wenn Innovation zum neuen Imperativ wird? Und was bedeutet es, wenn dadurch zwar vieles möglich, aber alles zugleich auch unsicherer wird? Kommt es angesichts schier endloser technischer Möglichkeiten nicht erst recht auf eine kulturelle und kreative Öffentlichkeit an, die Bilder davon entwickelt, wie wir leben wollen? Denn allen Versprechen der „Wissensgesellschaft“ zum Trotz entsteht „eine wachsende Zone der Ungewissheit“, schreibt Helga Nowotny in ihrem neuen Buch. „Sie rührt im Wesentlichen daher, dass alles neu produzierte Wissen den Handlungsspielraum ausweitet, ohne die Kriterien mitliefern zu können, nach denen er wieder eingeschränkt werden soll.“