Hannah-Arendt-Gymnasium (Ganztagsgymnasium) Barsinghausen,
Am Spalterhals 15, 30890 Barsinghausen
Tel. 05105-7701350, Fax: 05105-7701369
Reinhard Kahl
Der Vorteil verschieden zu sein
Überlegungen zu Hannah Arendts Idee von Bildung und konkrete Vorschläge zu einer anderen Schule
Ausgangspunkt ist ein Satz von Hannah Arendt:
„Jeder Mensch steht an einer Stelle in der Welt, an der noch nie ein anderer stand.“
Man könnte sagen, wie banal. Jeder ist anders. Jeder ist eigen. Stimmt. Dennoch, dieser Satz gehört zu den Selbstverständlichkeiten, die ganz und gar nicht selbstverständlich sind!
Nehmen wir die Schule. Werden dort Abweichungen nur duldend in Kauf genommen oder wird das Eigene eines jeden als Quelle seiner spezifischen Intelligenz begrüßt und gefördert?
Hat nicht das soziale Klonen längst schon vor dem biologischen begonnen? Ist ein philosophisches Wahrheitsklonen nicht vielleicht sogar die Erbsünde eines trivialen Monotheismus?
Wenn zum Beispiel in der Schule das Eigene willkommen ist, wie muss dann sein Gegenpol, das Gemeinsame kultiviert werden? Und würde sich nicht manches ändern, wenn man unter Erziehung versteht, wie die Erwachsenen die nächste Generation in die gemeinsame Welt hinein ziehen?
Allerdings fragt man sich, ob das Betriebssystem „Schule“ überhaupt zulässt, dass jeder anders tickt und dennoch – oder gerade deshalb !?! - Gemeinschaft hergestellt wird? Und wenn nicht, was müsste man dann an ihr ändern?
Das führt zu Hannah Arendts Ideen von „Pluralität“ und „Gebürtlichkeit.“ Was meint sie damit?
Hannah Arendt kommt medial zu Wort:
Wir sehen zunächst Ausschnitte aus dem Fernsehinterview, das Günter Gaus 1964 mit ihr geführt hat. Dabei steht ihr Gedanke des Anfangs und Anfangen Könnens im Zentrum: Mit jedem Menschen kommt ein neuer Anfang in die Welt. Auch wieder so eine skandalöse Selbstverständlichkeit.
Diesen Ideen und ihren pädagogischen Bedeutungen spüren wir in Ausschnitten aus Hannah Arendts Rede über die „Krise der Erziehung“ nach, die sie 1958 in Bremen hielt.
Um diese Ideen ganz praktisch und irdisch werden zu lassen, sehen wir schließlich Ausschnitte aus der Dokumentation „Treibhäuser der Zukunft.“ Die Bodensee Schule in Friedrichshafen folgt der Idee, dass es ein Vorteil ist, verschieden zu sein. Es zeigt sich, dass eine solche Pädagogik, auch unter Leistungsgesichtspunkten, eine viel höhere Ernte einfährt, als die der leistungsversessenen Lernvollzugsanstalt.