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Veranstaltung: ÜBERGÄNGE Alfred Hinz
Veranstaltungsort: Landesinstitut für Lehrerbildu
Adresse: Felix Dahn Straße
Hamburg
Datum: 30.11.2005

Mittwoch 30.11.2005 19.00 Uhr

Alfred Hinz, Rektor i.R. der Bodensee Schule, Friedrichshafen

Vom toten Pferd absteigen – aber wie?

 

Wenn du merkst, dass du auf einem toten Pferd sitzt, steig ab!“ Mit dieser Weisheit der Dakotaindianer hat sich Alfred Hinz Mut gemacht. Bis zum Sommer 2005 war er der Schulleiter. Nun verbreitet er als Pensionär die Ideen seiner Schule.

 

Die Bodensee Schule in Friedrichshafen ist eine katholische Grund- und Hauptschule. Die Hälfte der Schüler schafft in einer oben drauf gesetzten 10. Klasse, der „Werkrealschule,“ den Realschulabschluss. Der Schule ist ein tiefe Erneuerung des Unterrichts gelungen. 

Die Fächer wurden abgeschafft. An ihre Stelle treten Freiarbeit, vernetzter Unterricht und Projekte. Freiheit und Struktur sind das Yin und Yang dieser Schule. Die Grundidee heißt „vorbereitete Umgebung“. Die Wände in den Klassen sind voller Regale mit Arbeitsmaterial, aus dem sich die Schüler bedienen. Die ersten drei Stunden sind jeden Tag FSA, Freie Stillarbeit. Jeder Schüler macht in dieser Zeit etwas anderes. Der eine Deutsch, der andere Geometrie. Und jeder arbeitet auf unterschiedlichem Niveau. Jeder hat seinen eigenen Lehrplan. Den hat keine Zentrale geschrieben. Er entsteht im Dialog mit den Schülern wie eine aus lauter Dominosteinen zusammen gelegte Figur. Die Steine sind bei allen Schülern die gleichen, aber jede Figur ist anders. Wer sich mit bestimmten Aufgaben lange schwer tat, erledigt vielleicht ein Jahr später im gleichen Metier ein großes Pensum mit links. Lernprozesse verlaufen alles andere als linear. Also lernt jeder Schüler auf seine Weise. Das leuchtet ein. Aber wie wird das pädagogischen Babylon verhindert, wenn jeder macht, was er will?

 

Der Lehrer ist morgens als erster in der Klasse. Wie ein Gastgeber bereitet er sich und den Raum vor. Die meisten Schüler kommen ebenfalls vor Unterrichtsbeginn und legen los. Einfach so, ohne Gong, als wäre das Lernen ihre ureigene Sache. Eine Idylle? Nein. Es ist der Alltag in der Klasse zum Beispiel von Lehrer Franz Gresser. Er will in seiner Klasse nicht mehr als das ganz normale Zivilisationsniveau eines Büros. Aber wir sind in einer Schule und die Besucher trauen ihren Augen nicht. Denn wir sind in einer siebten Klasse, die Schüler in der Pubertät. Das sei eigentlich der Tiefpunkt, hört man überall, 7. Klasse Hauptschule, oh je. Aber vom pädagogischen Lazarett ist hier nichts zu spüren. Woran liegt das?

Lehrer Gresser schmunzelt nachsichtig. Solche Fragen hört er dauernd. Wie schaffen sie nur diese Ruhe in der Klasse, wenn jeder etwas anderes macht? „Eben,“ sagt er. „weil jeder seine Sache macht. Jeder weiß, er macht das Richtige für sich und ist dann auch zufrieden und weiß, dass ich mich um ihn kümmere.“ Auf jedem Tisch liegt ein „Strecker“ ein linealgroßes Holz mit dem Namen des Schülers. Wer Gressers Hilfe braucht stellt den Strecker aufrecht.

 

Wenn es für die alte Schule typisch war, dass die Schüler den Lehrer verstehen sollten, so ist es für diese Art Schule zu machen typisch, dass der Lehrer versucht seine Schüler zu verstehen. Das ist mehr als eine pädagogische Methode. Es geht um das Eigene der Schüler, es geht darum ihre Eigenzeit zu finden, ihre besonderen Fähigkeiten auszuloten und an ihren Schwächen zu arbeiten. Respekt vor dem Eigensinn scheitert im normalen Unterricht oft schon dran, dass er als Quelle möglicher Störungen vorsorglich bekämpft wird. Das ist für Alfred Hinz das Grundübel der alten Schule. „Ich kann doch nicht morgens einen Einheitsbrei über die Kinder gießen und sagen: ”jetzt lernt euch”, würde man im Ruhrgebiet sagen.“ Dort ist Hinz im katholischen Milieu aufgewachsen. Die Quelle seiner pädagogischen Inspiration ist durchaus religiös. Kinder sind Funken Gottes. Individualität ist etwas Göttliches, es ist ein Vorteil verschieden zu sein. Die Unterschiede sind keine Abweichungen von der Norm oder dem großen Ideal. Sie sind keine Gestalten der Erbsünde, wie eine andere Interpretation des Christentums nahe legt. „Das Entscheidende“ sagt Hinz, „ist dass wir kapiert haben, dass jedes Kinde für sich einmalig ist und nicht noch einmal auf  der Welt existiert.“

 

Unlängst kam Bernhard Bueb, Leiter des Edelinternats Salem, das

keine 30 Kilometer entfernt hinter den Hügeln liegt, zwei Tage an die Bodensee Schule und hospitierte bei Franz Gresser. „Die machen viel besseren Unterricht als wir,“ attestierte er, 

„Was ich an der Bodenseeschule erlebt habe, ist  Begeisterung von Kindern, Arbeitshaltung, Konzentration, alles Eigenschaften, die selten sind in der Schule.“ Die Lehrer arbeitet dort allerdings mehr, aber Bueb hat auch beobachtet, „mit mehr Freude, sie empfinden die Schule nicht als Belastung.“

 

Besucher verlassen die Schule in Friedrichshafen zumeist begeistert und mit der Frage, ist da nicht noch ein Geheimnis?  Wir versuchen ihm auf die Spur zu kommen.

 


 

                                                                                                                     

       (Peter Daschner)                              (Tilman Kressel )                         (Reinhard Kahl)

                LI Direktor                                                      LI-Tagungen                                                Journalist

                         

Alfred Hinz, Rektor i. R. der Bodensee Schule, Friedrichshafen

Vom toten Pferd absteigen – aber wie?

 


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