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Veranstaltung: Philo Café Lit. Haus HH mit Navid Kermani
Veranstaltungsort: Literaturhaus
Adresse: Schwanenwiek
Hamburg
Datum: 18.10.2005

Das Philosophische Café  / 18. 10. 2005  19´00
Thema: 

Das Paradies ist nicht klinisch rein

 

Gast: Navid Kermani

Reinhard Kahl moderiert

 

„Neil Young, das ist meine Wahrheit. Das ganze Toleranzgerede ist Unfug. Für mich ist Neil Young ebenso Erlösung wie der Koran.“ Navid Kermani

    

 

Er ist Muslim. Und er ist ein westlicher Intellektueller, wie er im Westen selten geworden ist. Er ist Wissenschaftlicher. Und er ist Literat. Er hat Theater gemacht und schreibt Reportagen. Außerdem ist Navid Kermani Long-Term Fellow am Wissenschaftskolleg in Berlin. Seine Dissertation „Gott ist schön“ geht über den Koran und wurde ein erfolgreiches Buch. Jetzt erschienen zwei Bücher: „Der Schrecken Gottes“ und „Du sollst“.

 

In  dem einen beschreibt er die Geburt der Religion aus dem menschlichen Leid. Zum Beispiel der persische Dichter Attar. Dessen Dichtung sei die schwärzeste, die je geschrieben wurde. Alle Tröstungen vernichtend. Oder Hiobs Aufbegehren  gegen den grausamen Schöpfer. Diese Religiosität kennt Gott, aber zürnt ihm. Eine Gegen-Theologie, die aus den Anfängen unserer Tradition bis zu Georg Büchner reicht. Vielleicht könnte sie heute eher eine Quelle für zeitgenössische Spiritualität sein, als das sanfte, sozialpädagogisch Wort zum Sonntag?

 

Kermanis Erzählungen „Du sollst“ sind kein frontaler Widersprich gegen die strenge „Du sollst nicht“ – Tradition der göttlichen Gebote, sie holen aber das Salz der Ambivalenz zurück, die aus der Religion und vielleicht überhaupt aus dem westlichen Leben zu sehr ausgewaschen wurde. Und vielleicht zeigt sich dann erneut, dass Lust ohne Leid nicht zu haben ist. 

Navid Kermani wurden 1967 in Siegen geboren. Seine Eltern kommen aus Persien.  Für die fast tausendseitigen Monografie "Gott ist schön"  [über die verschlungenen Beziehungen von Ästhetik und Theologie des Koran] erhielt er den Ernst-Bloch-Preis.  In  "Iran, Revolution der Kinder" beschrieb er die Umbrüche des Landes. Aufsehen erregte auch  "Das Buch der von Neil Young Getöteten".

 


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