Das Philosophische Café / 18. 5. 2004 19´00
Thema: Veränderungen der Politik –
Transformationen des Politischen ?
Gast: Heinz Bude
Reinhard Kahl moderiert
Werden wir alle konservativ, fragt Heinz Bude. Damit meint er nicht so sehr wechselnde Parteienpräferenzen als einen Wandel hinter den Themen der Politik. Verändert sich die Grammatik des Politischen? Was bedeutet es, wenn heute schwarz-grün in der Luft liegt? Worin besteht das zu Ende gehende sozialdemokratische Zeitalter? Und was könnte darauf folgen?
Heinz Bude hat schon in der Vergangenheit Denkweisen und Haltungen verschiedener Generationen untersucht, etwa die der Flakhelfer und die der 68er. In den 90er Jahren setzte er auf die pragmatischen Visionäre einer Generation Berlin und musste einige Jahre später feststellen: „Deutschland ist ein Land ohne Versprechen. Es herrscht ein Atmosphäre der Rückkehr und des Rückzugs.“
Die jüngsten politischen Inszenierungen haben etwas panisch-depressives. Ist das nur Verfall oder lassen sich darin auch Vorzeichen einer Reorganisation erkennen? Werden Personen tatsächlich wichtiger als Programme und Parteien? Sind die Personendarsteller in der Politik nur ein Übergangsphänomen? Kaum jemand fiebert noch der Zukunft als einer neuen Zeit entgegen. Statt dessen geht es um die Sicherung sozialer Ressourcen, wie der Familie, der Bildung und der praktischen Verantwortung. Beginnt damit womöglich ein Realismus, der ganz andere Phantasieräume eröffnen könnte, als das selige Utopia, auf das eine zeitlang nur noch Egostrategien zu folgen schienen? Vielleicht hat neben einer entpolitisierten Politiker-Politik, die mit dem Machtwort auftrumpft, „es gibt keine Alternative“, bereits eine neue Polytik begonnen, in der viele alltägliche Akteure verschiedene Möglichkeiten ausloten.
Heinz Bude lehrt Makrosoziologie an der
Universität Kassel und leitet den Bereich „Die Gesellschaft der
Bundesrepublik“ am Hamburger Institut für Sozialforschung. Er hat die Begriffe Berliner Republik und Generation Berlin geprägt. Neuerdings beobachtet er einen konservativen Trend: Man will dass aus Wahl Schicksal wird.