Kulturelle Landpartie 2018 – Zum Leben verabreden

Zum Leben verabreden!

Gespräche auf dem Höhbeck in der Scheune von Hanna und Reinhard Kahl

Wir laden zu Gesprächen ein.

Mit Goethe geht es los. Ja mit dem alten Goethe!
Bei ihm findet Manfred Osten Haltungen, auf die es nach der Industriegesellschaft ankommen wird: Ganz gegenwärtig sein! Beethoven ist ein anderer Alter, der als Navigator in die Zukunft gebraucht werden könnte. Er spielte nämlich zunächst so wie heutige Jazz- und Popmusiker: viel improvisie-ren. Die Clubs hießen damals Salons. Konzertsäle gab es nicht. Und Üben bedeutete vor allem: Ausüben. Beethovens Geist ist mit Heiner Klug an Pfingsten dabei.

Für die Zukunft arbeitet Ralf Otterpohl. Der Professor für Wasser-wirtschaft entwirft „Das neue Dorf“. High Tech mit 3-D-Druckern, Kreisläufe von Wasser und Erde, schwarze Erde, „Terra Prete“. Eine neue, lebendige Mischung. Der Biologe und Philosoph Andreas Weber legt das Selbstverständliche frei, über dem viel Schutt liegt, das Thema hinter allen Themen: Lebendigkeit!

Ein anderer Freund, Van Bo Le-Mentzel, bekannt durch sein Hartz IV Möbel, denkt über soziale Öfen und Grundsicherheit nach. Und Claus Koch, der gerade über die 68i und ihre Kinder und Enkel ein Buch geschrieben hat, plädiert für ein neues Bündnis aus 68ern und 2018ern! Da machen wir mit.

Ebenfalls auf der Suche nach Zukunft. und Wegen aus der Entfremdung ist Elisabeth von Thadden: „Berühren — Die Suche nach Nähe und das Rech auf Unversehrtheit.“

Fest steht: Das Wagnis zu leben und glücklich zu sein verlangt als Mindesteinsatz den Abschied von Perfektion. Noch mal Goethe: „Ganz resolut und wacker seht ihr aus/ Kommt nur nicht absolut nach Haus“


Gespräche am Nachmittag

Kein Eintritt. Ein Obolus für die Reisekosten der Gäste wird erwartet.
Ebenso Beteiligung an den Kosten für Essen und Trinken.
Gespräche, Filme und Präsentationen jeweils um 17 Uhr.


Alle Veranstaltungen:

Manfred Osten
Gedenke zu leben
Über Goethe und das Glück.
10.05. 17:00 (Hutkasse)

Ralf Otterpohl
Schwarze Erde und sauberes Wasser
Das Dorf neu erfinden.
11.05. 17:00 (Hutkasse)

Andreas Weber
Trotz alledem: Lebendigkeit
Der gemeinsame Nenner von Biologie und Philosophie.
12.05. 17:00 (Hutkasse)

Claus Koch
1968 und was das mit 2018 zu tun hat
Vorschlag für ein Gernerationsbündnis.
13.05. 17:00 (Hutkasse)

Jour Fix   ACHTUNG  das im Reiseführer angekündigte  Kleine Philosophische Café im Garten zwischen dem 14. und 17. muss leider entfallen. Dringe Termine in Berlin (Deutscher Schulpreis) und in Hamburg  -Philosophisches Café im Literaturhaus mit Manfred Spitzer 
http://www.literaturhaus-hamburg.de/programm/veranstaltungen/2018-05-16/philosophisches-cafe-extra
machen einen Strich durch den guten Plan. Leider.

14.05. 17:00 (Hutkasse)
15.05. 17:00 (Hutkasse)
16.05. 17:00 (Hutkasse)
17.05. 17:00 (Hutkasse)

Elisabeth von Thadden
Berühren
Die Suche nach Nähe und das Recht auf Unversehrtheit
19.05. 17:00 (Hutkasse)

Heiner Klug
Die revolutionäre Zelle des Musizierens
Improvisieren, Üben und vor allem Ausüben.
20.05. 17:00 (Hutkasse)

Van Bo Le-Mentzel
Soziale Öfen
Bedingslose Freiheit, Grundsicherheit und Tiny Houses.
21.05. 17:00 (Hutkasse)

Singsucht
Brecht, Kreisler, Piazolla
Mit Elke Franzki, Songwon Kempka, Carola Plate, Hanna Schulz-Kahl.
21.05. 21:00 (Hutkasse)

DAS  GENIE DER KULTURELLEN LANDPARTIE:

Wunde, Wunder, Punkt.

Essay von Reinhard Kahl

Natürlich war das Wendland für uns Hamburger von Anfang an so etwas wie eine Landpartie. Erst politisch und bald auch etwas revolutionsfolkloristisch. Dann privat und später auch etwas eskapistisch. Schließlich auch kulturell, irgendwann allerdings mit zu vielen Räucherstäbchen und all des Kunsthandwerks überdrüssig geworden.

Und nun, bitte wieder politischer werden!

Wie ein Wasserzeichen steckt in all den Varianten der Landpartie der ursprünglicheWunderpunkt.Wunde und Wunder. Das entzündete. Der Doppelsinn schafft Resonanz. Und wie gut, dass jeder Veranstalter und Aussteller, jeder Künstler und Handwerker ein etwas anderer Resonanzkörper ist.

Die Wunde. Unvergessen der Satz von Franz Kafka: Diese wunderschöne  Wunde, mit der ich auf die Welt gekommen bin, das einzige, was ich habe. Wer darüber zu lange grübeln  muss, sollte daran denken, dass die Alternative zur Wunde, zumal zur schlecht verheilten, eine Narbe ist. Verwachsenes, gefühlloses Gewebe. Die Wunde ist empfindlich, sie kann sogar ein Atmungsorgan sein, nicht nur für Dichter oder Künstler. Zeigt her eure Wunde, verlangte Josef Beuys.

Die Wunder.Es gibt sie auch für Atheisten wie Hannah Arendt: Jeder neue Anfang wird zum Wunder, wenn er von dem Standpunkt der Prozesse, die er notwendiger Weise unterbricht, gesehen und erfahren wird.

Hannah Arendt, die Philosophin, die ungern so genannt wurde, wehrte sich gegen den religiösen Zauber, der das Wunder vereinnahmt, es klein und unschädlich macht: Das Wunder als ein ausschließlich religiöses Phänomen zu sehen, bei dem es nicht mit rechten Dingen zugeht, scheint mir auf einem Vorurteil zu beruhen. Bereits die Entstehung der Erde ist eine unendliche Unwahrscheinlichkeit, wie die Naturwissenschaftler sagen – ein Wunder, wie wir sagen würden.

Radikaler und pragmatischer werden!Beides! Also politischer werden. Uns gegenseitig überraschen! Wunder ermöglichen. Das muss ja nicht für jeden Wunderpunkt gleichermaßen gelten. Wir jedenfalls versuchen es seit 2016 in unserer Scheune in Brünkendorf auf dem Höhbeck. Auch weil wir ein bisschen unzufrieden über die vielen Räucherstäbchen & Co. auf der KLP waren. So haben wir also begonnen, selbst das zu machen, was uns fehlte und was wir meinen ganz gut zu können.

Gastgeber sein und zu Gesprächen einladen. Denn, was ist erquicklicher als das Licht? fragte ein häufig zitierter Dichter und antwortete: Das Gespräch! Dabei helfen Erfahrungen und Kontakte als Gastgeber des Philosophischen Cafés im Hamburger Literaturhaus. http://www.literaturhaus-hamburg.de/das-philosophische-cafe-seit-1999

Im ersten Jahr hieß unser Motto: Wurzeln und Flügel.
Dann ging es weiter: Kleine Schritte – Weiter Horizont.
Und nun: Zum Leben verabreden!

An einem Nachmittag haben wir in unserer Scheune Hannah Arendts Stimme gehört. In ihrem  Vortrag Freiheit und Politik sagte sie vor 60 Jahren: Die außerordentliche Gefahr der totalen Diktaturen für die Zukunft der Menschheit ist nicht so sehr, dass sie politisches Handeln unterbinden, als dass sie die Elemente der Freiheit und des Handelns in allen Tätigkeiten ertöten.

Setzen wir gegen die fertige Welt die Wunde und das Wunder, den Wunderpunkt.

Gar nicht abergläubisch, sondern nur realistisch ist es, in der Politik mit dem Unvorhersehbaren zu rechnen, und Wunder dort zu erwarten, wo sie tatsächlich dauernd möglich sind.  So verstand Hannah Arendt Politik.

Zur Politik gehört auch der Versuch das gute Leben, das wir wollen, so gut es geht vorwegzunehmen. Hier und heute. Und auf jeden Fall jedes Jahr zwischen Himmelfahrt und Pfingsten.