Nach dem ersten Tag in der weiterführenden
Schule kommt ein unglückliches
Kind nach Hause. Am liebsten würde es
nie wieder hin gehen. Kaum hatte nämlich
der Klassenlehrer die Schüler begrüßt,
drohte er mit leiser Stimme: »Ich
sage hier alles nur einmal.« Und fügte
hinzu: »Mit mir habt ihr Glück. Die
Fachlehrer sind wirklich streng.« Das ist
vielleicht keine Kriegserklärung, aber
doch die Ankündigung von Kriegsrecht.
Nicht nur der Lehrer und seine angedrohten
Kollegen machten dem Kind
Angst. Bedrohlich fand es auch einige
Mitschüler, die offenbar nur auf das
feindliche Signal von vorne gewartet hatten.
Wird einer etwas lauter, rufen ihn
andere pseudoempört zur Ordnung. So
wird der Pegel ständig erhöht. Der Lehrer
blickt stumm vor sich hin, als wolle
er sagen, ihr werdet euch noch wundern,
mich wundert schon gar nichts mehr.
Binnen kurzem sind die Feindbilder gerahmt.
Das Spiel »Blöder Lehrer – Dumme
Schüler« ist eröffnet und könnte jetzt
neun Jahre so weitergehen. Dem Lehrer
hat das Verhalten der Schüler eindeutig
bewiesen, dass man von Anfang an Härte
zeigen muss. Die Schüler glauben nun
eines sicher zu wissen: Hier sind wir nie
zu Hause. Wie in jedem Krieg hat immer
die andere Seite angefangen. Keiner will
der Dumme sein, der als zweiter zieht.
Feindbilder wollen gepflegt sein. Eine
Haltung, die nicht nur dumm ist, sondern
auch dumm macht. Denn ist der Kleinkrieg
erst mal Alltag geworden, wie sollen
sich Schüler und Lehrer dann noch positiv
überraschen? Ist die soziale Neugierde
geschwächt, lässt auch die auf die
Welt, also auf das Wissen nach.